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Station 22

Pfarrkirche St. Martin (Schnittpunkt Via Sancti Martini)


Einleitung

Genau hier, an dieser Station, schneidet sich der Martinusweg mit dem Joseph-von-Eichendorff-Panoramaweg.

Nicht von ungefähr. Denn der Heilige Martin und Joseph von Eichendorff hatten einiges gemeinsam. So waren beide Soldaten. Allerdings bekleidete der hochverehrte Heilige wohl einen höheren Rang als der Spätromantiker Eichendorff, was sich schon daran zeigte, dass Joseph von Eichendorff, wohl im Gegensatz zum Heiligen Martin, kein Pferd hatte, denn seine „Casse war durch das Hin- und herreisen endlich so erschöpft, daß ich fast gar nichts mehr übrig hatte“.

Und auch das Mantelteilen dürfte dem bedeutenden Dichter – anders als dem großen Heiligen – schon aus praktischer Sicht schwergefallen sein. So notierte Eichendorff einmal: „Aber bei einer näheren Beleuchtung meiner Barschaft fand ich zu großem Schrecken, daß ich nicht Geld genug mehr hatte, um mir eine neue Uniform zu schaffen, geschweige denn ein Pferd.“

Apropos:
Besonders eindrucksvoll zeigen zwei Kunstwerke in der Eichendorfer Pfarrkirche St. Martinus die Legende von der Mantelteilung – ein im wahrsten Sinne des Wortes „einschneidendes“ Erlebnis:
Zum einen das im Jahre 1962 vom Eichendorfer Künstler Anton Sandner geschaffene Blatt des 1750 im Rokokostil erbauten Hochaltares (das eine Kopie des aufgrund seines schlechten Zustandes entfernten Originalaltarblattes ist) und zum anderen die im Jahr 2017 vom Eggenfeldener Bildhauer Joseph Michael Neustifter geschaffene und mit großzügiger Unterstützung der BRAMENKAMP Stiftung in Landau a.d.Isar finanzierte Martinsstele, auf der die Osterkerze ihren Platz hat.

Reinschauen lohnt sich!

Ulrich Altmann


Anfang April 1813 verließ Joseph von Eichendorff „sein geliebtes Wien“.

Als Patriot fühlte er sich verpflichtet, im Befreiungskampf gegen Napoleon mitzuwirken.

Joseph von Eichendorff schloss sich den Lützowschen Jägern an, einem Freicorps, das in Teilen von Friedrich Ludwig Jahn, den man später „Turnvater Jahn“ nannte, angeführt wurde. Auslöser war eine patriotische Rede vor Studenten, die der Philosoph Hendryk Steffens, nach der Auflösung der Universität Halle jetzt in Breslau tätig, gehalten hatte. Das Rekrutierungsbüro „Der Goldene Zepter“ befand sich gleich in der Nähe.

Aus taktischen Gründen und zur Tarnung zogen sich die Freischärler in das Gebiet um den Berg Zobten zurück. Eichendorff besaß nicht die Mittel, um sich ein Pferd zu leisten und sich den Lützowschen Reitern anzuschließen, so blieb er bei der Infanterie und durchquerte in kräftezehrenden Fußmärschen weite Teile des Landes bis zu Spreewald bei Berlin, ohne mit dem Feind in Berührung zu kommen.

Im Juli 1813 quittierte Joseph von Eichendorff den Dienst bei den Lützowern, mit denen er nie Feindberührung hatte, und reiste über Schlesien nach Böhmen in der Hoffnung, im wiederaufgeflammten Krieg zwischen Österreich und Napoleon eine Offiziersstelle zu erhalten. Doch in Prag wurde sein Gesuch abgelehnt.

Also wieder zu spät …

Was blieb ihm anderes übrig, als nach Schlesien zurückzukehren und um eine Leutnantsstelle in der Schlesischen Landwehr nachzusuchen? Sie wurde ihm gewährt.

Das Frühjahr 1814 verbrachte Eichendorff nach dreimonatigem Garnisonsdienst und als Ausbilder der Landwehr in Glatz vier Monate als Offizier der Landwehrbesatzung in Thorgau, ohne eine Kriegshandlung zu erleben. Dabei sollte sein Freund Philipp Veit in der Völkerschlacht bei Leipzig nur knapp dem Tod entgehen …

Aus „Wut und Missgunst“ hätte der Freiherr wohl Lust zum Dichten verspürt, allein, es blieb ohne großen Wurf, auch wenn er die Situation der Landsknechte in manchen Gedichten beschrieb.

Aus: Hermann Multhaupt, Joseph von Eichendorff –
ein biografischer Roman: und die Welt hebt an zu singen / Hermann Multhaupt
© St. Benno Verlag GmbH, Leipzig, www.vivat.de



Der Heilige Martin – ein Soldat Christi

Martin wurde um 316 oder (vielleicht eher) um 336 in der pannonischen Stadt Sabaria [heute Szombathely in Ungarn] geboren, wuchs aber in Italien, in Ticinum [heute Pavia in der Lombardei, am Fluß Ticino = Tessin], auf.

Seine Eltern waren, gemessen an der weltlichen Rangordnung, keine ganz Geringen, aber sie waren Heiden.

Sein Vater war zuerst [einfacher] Soldat, später Militärtribun. Martin selbst trat in seiner Jugend ins Militär ein und diente in der kaiserlichen Gardeabteilung unter Kaiser Constantius, dann unter dem Caesar Julian – jedoch nicht freiwillig, weil der bemerkenswerte Knabe, schon als kleines Kind ein Heiliger, fast von den frühesten Jahren an mehr vom Dienst an Gott beseelt war.

Im Alter von zwölf Jahren brannte er darauf, Einsiedler zu werden, und hätte seinen Wunsch auch in die Tat umgesetzt, wenn nicht sein zartes Alter ihn daran gehindert hätte.

Da aber laut kaiserlichem Erlass die Söhne von Veteranen zum Kriegsdienst eingezogen werden sollten, meldete ihn, als er fünfzehn Jahr alt war, sein Vater, der sein segensreiches Tun missbilligte, [den Behörden], und Martin musste gefangen und in Ketten den militärischen Fahneneid leisten. Er begnügte sich mit einem einzigen Sklaven in seinem Gefolge, den aber er, der Herr, zu bedienen pflegte, [so] die Rolle mit ihm tauschend.

Ungefähr drei Jahre lang stand er vor seiner Taufe unter Waffen, blieb aber unbefleckt von den schuldhaften Vergehen, in die diese Sorte Mensch sich zu verstricken pflegt.

Er übte sie [die Enthaltsamkeit] in einer Weise, dass man ihn schon zu jener Zeit nicht für einen Soldaten, sondern für einen Mönch hätte halten können.

Und obwohl er noch nicht in Christo wiedergeboren war, gab er mit seinen guten Werken einen [würdigen] Taufanwärter ab: Er stand nämlich den Notleidenden bei, half den Elenden, speiste die Bedürftigen, kleidete die Nackten und behielt von seinem Militärsold für sich nur so viel zurück, wie er zum täglichen Leben brauchte.

Eine Tages also, als Martin schon nichts mehr besaß außer seinen Waffen und seinem einfachen Militärmantel, begegnete er mitten in einem Winter, der strenger war als gewöhnlich und so von Frost starrte, dass sehr viele [Menschen] an der gewaltigen Kälte starben, am Stadttor von Amiens [einer Stadt in der römischen Provinz Belgica secunda am Knotenpunkt wichtiger Handelsstraßen] einem nackten Bettler.

Dieser flehte die Vorübergehenden an, sich seiner zu erbarmen, [aber] alle gingen an dem Elenden vorbei.

Da erkannte der von Gott erfüllte Mann, dass jener ihm vorbehalten sei, da die anderen keine Barmherzigkeit übten.

Was aber sollte er tun?

Er besaß nichts außer dem Soldatenmantel, den er trug; das Übrige hatte er nämlich für ein ähnliches gutes Werk aufgebraucht.

Entschlossen zog er also das Schwert, mit dem er gegürtet war, teilte [den Mantel] mitten entzwei, gab einen Teil davon dem Armen und legte den anderen wieder an. Unterdessen lachten einige der Umstehenden, weil er mit seinem verstümmelten Gewand entstellt aussah.

Viele aber, die bei besserem Verstand waren, seufzten tief, weil sie nichts dergleichen getan hatten, obwohl sie durchaus mehr besaßen und den Armen hätten bekleiden können, ohne sich selbst zu entblößen.

In der darauffolgenden Nacht nun sah Martin im Schlaf Christus mit dem Teil seines Mantels angetan, mit dem er den Armen bedeckt hatte. Ihm wurde befohlen, den Herrn ganz aufmerksam zu betrachten und das Gewand, das er hergegeben hatte, wiederzuerkennen.

Alsbald hörte er Jesus laut und deutlich zu der Menge der umstehenden Engel sagen: „Martin, der noch Katechumene [= Taufschüler] ist, hat mich mit diesem Gewand bedeckt.“ Wahrhaft eingedenk seiner Worte, die er vormals gesprochen hatte: „Was immer ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“, gab der Herr offen zu erkennen, dass er [selbst] in dem Armen bekleidet worden war; und um seinem Zeugnis für die so gute Tat Nachdruck zu verleihen, geruhte er, sich in demselben Gewand zu zeigen, das der Arme empfangen hatte.

Durch diese Vision ließ sich der glückselige Mann nicht zur Begierde nach menschlichem Ruhm hinreißen, sondern erkannte in seinem Werk die Güte Gottes; so beeilte er sich, als er achtzehn Jahre alt war, die Taufe zu empfangen. Dennoch trat er nicht sofort aus dem Militärdienst aus, sondern ließ sich von den Bitten seines Tribunen erweichen, dem er in vertrauter Kameradschaft verbunden war: Der gelobte nämlich, nach Ablauf seines Tribunats der Welt zu entsagen. In dieser gespannten Erwartung leistete Martin nach seiner Taufe noch etwa zwei Jahre lang Militärdienst, freilich nur dem Namen nach.

Gleich nachdem er den Militärdienst quittiert hatte, suchte Martin den heiligen Hilarius auf, den Bischof der Stadt Poitiers und hielt sich eine Zeitlang bei ihm auf. Ebendieser Hilarius aber versuchte, ihn durch die Verleihung des Diakonats enger an sich zu binden und ihn [zugleich] mit einem kirchlichen Amt in die Pflicht zu nehmen. […] Deshalb machte er ihn zum Exorzisten.

aus Sulpicius Severus‘
„Vita sancti Martini – Das Leben des heiligen Martin“


„Via Sancti Martini“ – Ein Weg des Teilens

Auf einer Wegstrecke von über 2.500 Kilometern verbindet der Pilger- und Kulturweg „Via Sancti Martini“ Menschen und Länder in Europa.

Ausschlaggebend für den Wegverlauf von Ungarn bis Frankreich waren Orte, Einrichtungen und Kirchen, die unter dem Patronat des Heiligen Martins stehen, sowie Orte, in denen der beliebte Heilige gewirkt hat.

So führt dieser Weg auch vorbei an den Martinskirchen in Hütt, Eichendorf und Prunn.

Der Martinusweg, wie er auch genannt wird, will nicht nur ein Wanderweg, sondern auch ein Pilgerweg sein.

Wer pilgert, macht sich auf den Weg, macht sich auf die Suche.

Weil der Heilige Martin zum Inbegriff des Teilens geworden ist, möchte der Martinusweg ein Weg des Teilens sein und zu „Orten des Teilens“ führen.

Nicht nur in den sozial-caritativen Einrichtungen unserer Gemeinde wird Leben miteinander geteilt, jedes Leben kann und soll zu einem Ort des Teilens werden.

Ob auf dem Weg oder an einem festen Ort:
Die Geschichte des Heiligen, der der Menschlichkeit und Nächstenliebe eine sichtbare und greifbare Gestalt gibt, zeigt uns auch heute, wie es gehen könnte.
Die Geschichte des Soldaten, der wider aller Vernunft, allen Regeln und Gewohnheiten zuwider handelt und das teilt, was er eben hat, soll uns berühren.
Die Geschichte dieser „Lichtgestalt“ macht Mut, das Normale zu tun: ein Stück abgeben, nicht alles, so dass es eben für jeden reicht.

Pilgern auf dem Martinusweg kann so zur Spurensuche werden:
nach Spuren des Heiligen Martins in unserer Diözese,
nach Spuren des Teilens und der Menschlichkeit
und damit nach Spuren Gottes in unserer Welt,
wie es im Lukasevangelium heißt:
„Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ (Lk 17,21 b)

Gertraud Dickgießer


Zur Baugeschichte der Pfarrkirche St. Martin

Die Pfarrkirche St. Martin ist nicht nur das älteste Baudenkmal im Markt Eichendorf, sondern auch Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Die Baugeschichte der heutigen Pfarrkirche verlief in vier Phasen:

Phase 1

Das 1138/39 gefälschte „Minus“ von St. Nikola zählt zu den Besitzungen des Klosters in Eichendorf „die Kirche mit allem Nutzen und dem Pfarrecht, und ein Stadelhof, und ein halber Bauernhof, …“.
Die Kirche war mit Sicherheit eine Kapelle aus Holz gebaut. Auch in der Wiederherstellungsurkunde für St. Nikola von Bischof Ulrich aus dem Jahr 1111 ist von keiner Kapelle die Rede. Man kann daher mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass die Kapelle in Eichendorf in der Zeit zwischen 1111 und 1138/39 gebaut wurde.

Phase 2

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Kapelle zu einer größeren Kirche ausgebaut.
Das Gotteshaus wurde am 5. Mai 1466 eingeweiht. Die ursprünglich einschiffige Kirche wurde später zu einer dreischiffigen Anlage erweitert. Von dieser spätgotischen Kirche steht heute nur noch der eingezogene, dreijochige Chor. Er ist mit drei Achteckseiten geschlossen und hat ein spätgotisches Netzgewölbe auf schwachen, gefasten Wandpfeilern und entsprechenden spitzen Schildbogen. An den Rippenkreuzungen befinden sich kleine Schilde. Das Südschiff scheint noch in spätgotischer Zeit unter Durchbrechung der Langhausmauer nachträglich entstanden zu sein. Die gedrungenen, rechteckigen Trennungspfeiler waren ebenso wie die Scheidbögen an den Kanten abgefast. Das Seitenschiff wies eine erheblich niedrigere Höhe als das Mittelschiff auf und war halb so breit wie dieses.

Phase 3

Um das Jahr 1720 wurde die Kirche stark im barocken Stil verändert. In dieser Zeit entstand das Nordschiff mit rundbogigen Fenstern. Das Mittelschiff erhielt an Stelle eines früheren Netzgewölbes eine barocke Flachdecke mit Stuckrahmenfeldern über Gesims und Hochkehle.
Der Umbau des ehemaligen Sattelturmes zu einem Kuppelturm erfolgte im Jahre 1761. Im Jahre 1892 wurde die Kirche restauriert und eine neue Sakristei errichtet.

Phase 4

Schon im Jahr 1931 gab es Pläne für eine Erweiterung der Pfarrkirche. Weil der Kirchenraum im Verhältnis zur Breite und zur Höhe relativ kurz und durch die ungleiche Pfeilerstellung der Raumeindruck nicht einheitlich war, wollte man die Kirche nach hinten verlängern. Das Vorhaben scheiterte unter anderem an mangelnden finanziellen Mitteln. Anfang der 1950-er Jahre wurden die Pläne zu einem Ausbau der Kirche erneut aufgegriffen und das Langschiff um sechs Meter verlängert, der Innenraum um vier Meter erhöht und die südlichen vier bzw. nördlichen drei Joche mit Kreuzgewölben entfernt. Ebenfalls wurde das spitzbogige spätgotische Südportal weggerissen und durch eine rechteckige Doppeltüre ersetzt. Im Frühjahr 1956 war die Deckenkonstruktion fertig und die alte Kirchendecke abgebrochen; auch der Westgiebel und die Säulen mussten der Spitzhacke weichen. Ab Juni 1956 wurden die Mauern hochgezogen, der neue Putz aufgetragen, und die Malerarbeiten konnten beginnen. Am 21. Oktober 1956 konnte dann der erste Gottesdienst in der vergrößerten Pfarrkirche abgehalten werden. Am 1. Mai 1957 konsekrierte Bischof Simon Konrad das Gotteshaus. Bemerkenswert ist, dass bereits zu diesem Zeitpunkt im Presbyterium ein „Zelebrationstisch“ aufgestellt wurde, wo nun bei besonderen Anlässen der Priester den Gottesdienst mit dem Blick zum Volk zelebrieren konnte. In mehreren Kollekten haben die Pfarrgemeindemitglieder 28.643,- DM gesammelt und auch sonst noch gespendet, damit die Gesamtbaukosten von rund 155.000,- DM finanziert werden konnten. In dieser Phase leisteten die Kirchenratsmitglieder Ludwig Peyerl, Hans Kirschner, Josef Dorfmeister sowie Kirchenpfleger Eduard Kagerer verantwortungsvolle Arbeit.

Heute beträgt die Länge der Kirche 36,90 Meter (Langschiff 25,40 Meter, Presbyterium 11,50 Meter) und die Breite 20,20 Meter. Das Turmhaus im Geviert von 3,10 Meter ist ebenerdig von einer 1,10 Meter breiten Mauer umgeben. Die Öffnung des Presbyteriums zum Langhaus ist 6,80 Meter breit. Die Kirche mit über 400 Sitzplätzen wird elektrisch beheizt. 1973 wurde die Sakristei neu eingerichtet, außerdem wurde die Kirchendecke saniert. Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden erstmals 1981, dann 1988 und 2014/15 durchgeführt. Der Kirchenvorplatz mit dem Ehrenmal wurde im Zuge der Städtebausanierungen neu gestaltet, auch die Restaurierung der Außenfassade und die Turmsanierung sind fertiggestellt.
Nach einem dreiviertel Jahr in der Ersatzkirche, dem ehemaligen Schlecker-Gebäude, das von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde, konnte am Heiligabend 2015 der erste Gottesdienst in der neu renovierten Pfarrkirche gefeiert werden. Bis es soweit war, war viel Arbeit und Mühe gefordert.
In einem ersten Schritt wurden die Risseverursacher gefunden und ausgemerzt. Die schönen Fenster im Presbyterium wurden gesichert, und der Glockenstuhl wurde erneuert. Dann machte man sich an das Innere. Es mussten Wege gefunden werden, der Pfarrkirche wieder einen Charakter zu geben, der die Gläubigen zum Gebet anregt und doch – soweit wie möglich – zu den bereits vorhandenen Stücken und Gegebenheiten passt. Hier gilt es den Verantwortlichen zu danken, dass sie alle Möglichkeiten genutzt haben, um das Beste aus dem Innenraum der Kirche herauszuholen. Seit März 2016 sind auch die neu überarbeiteten Bänke eingebaut.


Sebastiani-Kapelle – eine Kapelle im Gotteshaus

Ein Novum in der Diözese Passau ist die neue Werktagskapelle in der St. Martinskirche: als Raum im Raum mit einem transparenten Glaskörper wird sie bei Werktagsmessen genutzt. Sie erhielt den Namen „Sebastiani-Kapelle“. Dies kommt daher, dass der linke Seitenaltar dem heiligen Sebastian geweiht ist und eine Sebastiani-Bruderschaft seit dem Jahre 1509 in Eichendorf belegt ist. Die Figur des heiligen Sebastian wurde in vergangenen Jahrhunderten bei Prozessionen durch den Markt getragen.

Der Einbau der Sebastiani-Kapelle unter der Empore wurde im September 2017 vollendet. Die liturgische Einrichtung besteht aus der interessanten Kombination von Stahl und Marmor. Das Rot im zentralen Fenster an der Westseite der Kapelle soll an das Martyrium des heiligen Sebastian erinnern. Die Glaswände wurden von dem Künstler und Kirchenmaler Tobias Kammerer in den Farben Gelb und Rot gestaltet; diese warmen Töne finden sich auch in den historischen Altären wieder. Die außergewöhnliche Gestaltung der Kapelle erlaubt einen Blick in den großen Kirchenraum, bietet aber auch einen diskreten Rückzugsort zum Beten.

Mit einem Festgottesdienst konnte am 8. Oktober 2017 der Abschluss der Kirchenrenovierung gefeiert werden. Die Gesamtkosten dieser Maßnahmen betrugen knapp über eine Million Euro, wovon etwa ein Drittel von der Pfarrei Eichendorf getragen wurde. H. H. Diözesanbischof Dr. Stefan Oster SDB segnete die Kapelle im Beisein zahlreicher Ehrengäste und Gläubigen. Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Musikalischen Verein und dem Kinder- und Jugendchor.


Poesie

Lieber alles

Soldat sein ist gefährlich,
Studieren sehr beschwerlich,
Das Dichten süß und zierlich,
Der Dichter gar possierlich
In diesen wilden Zeiten.
Ich möcht am liebsten reiten,
Ein gutes Schwert zur Seiten,
Die Laute in der Rechten,
Studentenherz zum Fechten.
Ein wildes Roß ists Leben,
Die Hufe Funken geben,
Wers ehrlich wagt, bezwingt es,
Und wo es tritt, da klingt es!

Joseph von Eichendorff

Der Soldat

1.
Ist auch schmuck nicht mein Rößlein,
So ist’s doch recht klug,
Trägt im Finstern zu ’nem Schlößlein
Mich rasch noch genug.
Ist das Schloß auch nicht prächtig:
Zum Garten aus der Tür
Tritt ein Mädchen doch allnächtig
Dort freundlich herfür.
Und ist auch die Kleine
Nicht die Schönst auf der Welt,
So gibt’s doch just keine,
Die mir besser gefällt.
Und spricht sie vom Freien:
So schwing ich mich auf mein Roß –
Ich bleibe im Freien,
Und sie auf dem Schloß.

2.
Wagen mußt du und flüchtig erbeuten,
Hinter uns schon durch die Nacht hör ich’s schreiten,
Schwing auf mein Roß dich nur schnell
Und küß noch im Flug mich, wildschönes Kind,
Geschwind,
Denn der Tod ist ein rascher Gesell.

Joseph von Eichendorff

Soldatenlied

Was zieht da für schreckliches Sausen,
Wie Pfeifen durch Sturmeswehn?
Das wendet das Herz recht vor Grausen,
Als sollte die Welt vergehn.

Das Fußvolk kommt da geschritten,
Die Trommeln wirbeln voran,
Die Fahne in ihrer Mitten
Weht über den grünen Plan,

Sie prangt in schneeweißem Kleide
Als wie eine milde Braut,
Die gibt dem hohe Freude,
Wen Gott ihr angetraut.

Sie haben sie recht umschlossen,
Dicht Mann an Mann gerückt,
So ziehen die Kriegsgenossen
Sreng, schweigend und ungeschmückt,

Wie Gottes dunkler Wille,
Wie ein Gewitter schwer,
Da wird es ringsum so stille,
Der Tod nur blitzt hin und her.

Wie seltsame Klänge schwingen
Sich dort von der Waldeshöh!
Ja, Hörner sind es, die singen
Wie rasend vor Lust und Weh.

Die jungen Jäger sich zeigen
Dort drüben im grünen Wald,
Bald schimmernd zwischen den Zweigen,
Bald lauernd im Hinterhalt.

Wohl sinkt da in ewiges Schweigen
Manch schlanke Rittergestalt,
Die anderen über ihn steigen,
Hurra! in dem schönen Wald,

Es funkelt das Blau durch die Bäume –
»Ach, Vater, ich komme bald!«
Trompeten nur hör ich werben
So hell durch die Frühlingsluft,
Zur Hochzeit oder zum Sterben
So übermächtig es ruft.

Das sind meine lieben Reiter,
Die rufen hinaus zur Schlacht,
Das sind meine lustigen Reiter,
Nun, Liebchen, gute Nacht!

Wie wird es da vorne so heiter,
Wie sprühet der Morgenwind,
In den Sieg, in den Tod und weiter,
Bis daß wir im Himmel sind!

Wunderliche Spießgesellen,
Denkt ihr noch an mich,
Wie wir an der Elbe Wellen
Lagen brüderlich?
Wie wir in des Spreewalds Hallen,
Schauer in der Brust,
Hell die Hörner ließen schallen
So zu Schreck wie Lust?
Mancher mußte da hinunter
Unter den Rasen grün,
Und der Krieg und Frühling munter
Gingen über ihn.
Wo wir ruhen, wo wir wohnen:
Jener Waldeshort
Rauscht mit seinen grünen Kronen
Durch mein Leben fort.

Joseph von Eichendorff

Der Einsiedler

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Joseph von Eichendorff

Morgengebet

O wunderbares, tiefes Schweigen,
Wie einsam ist’s noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
Als ging‘ der Herr durchs stille Feld.

Ich fühl mich recht wie neu geschaffen,
Wo ist die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt erschlaffen,
Ich schäm mich des im Morgenrot.

Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, frohbereit
Betreten nur wie eine Brücke
Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.

Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,
Um schnöden Sold der Eitelkeit:
Zerschlag mein Saitenspiel, und schauernd
Schweig ich vor dir in Ewigkeit.

Joseph von Eichendorff

Der letzte Gruß

Ich kam vom Walde hernieder,
Da stand noch das alte Haus,
Mein Liebchen, sie schaute wieder
Wie sonst zum Fenster hinaus.

Sie hat einen andern genommen,
Ich war draußen in Schlacht und Sieg,
Nun ist alles anders gekommen,
Ich wollt, ’s wär wieder erst Krieg.

Am Wege dort spielte ihr Kindlein,
Das glich ihr recht auf ein Haar,
Ich küßt’s auf sein rotes Mündlein:
„Gott segne dich immerdar!“

Sie aber schaute erschrocken
Noch lange Zeit nach mir hin,
Und schüttelte sinnend die Locken
Und wußte nicht, wer ich bin. –

Da droben hoch stand ich am Baume,
Da rauschten die Wälder so sacht,
Mein Waldhorn, das klang wie im Traume
Hinüber die ganze Nacht.

Und als die Vögelein sangen
Frühmorgens, sie weinte so sehr,
Ich aber war weit schon gegangen,
Nun sieht sie mich nimmermehr!

Joseph von Eichendorff

Dank – Abdruck- und Veröffentlichungsgenehmigungen
sowie (weitere) Quellennachweise

Ganz herzlich wollen wir uns hiermit insbesondere nochmals für die Erteilung der Abdruck- und Veröffentlichungsgenehmigungen bei

  • Dr. Christian Bachner,
  • Dr. Waldemar Hadulla,
  • Joseph Michael Neustifter,
  • Paul Streifeneder,
  • Dr. Herbert W. Wurster,
  • dem Verein „Die Förderer“ e.V.,
  • dem Generalvikariat des Bistums Passau,
  • der Katholischen Pfarrkirchenstiftung Eichendorf,
  • dem Reclam-Verlag und
  • der St. Benno Buch und Zeitschriften Verlagsgesellschaft mbH, Leipzig,

ganz herzlich bedanken.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Werke, deren Lektüre bzw. Studium wir Ihnen wärmstens ans Herz legen wollen:

Dr. Christian Bachner
Joseph von Eichendorff aus Eichendorf
oder: Ein Taugenichts aus Niederbayern

abgedruckt in:
Historische Heimatblätter
An der unteren Isar und Vils
Seiten 43 bis 58
herausgegeben vom Verein „Die Förderer“ Landau a.d.Isar
Jahrgang 2003

Generalvikariat des Bistums Passau
Handbuch des Bistums Passau 2010
Passagen aus dem Kapitel „Dekanat Pfarrkirchen“
Seiten 566 bis 570

Die Kunstdenkmäler von Bayern
herausgegeben im Auftrag des Staatsministerums für Unterricht und Kultus
Regierungsbezirk Niederbayern
herausgegeben im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege von Felix Mader
XIII. Bezirksamt Landau a.I.
Die Kunstdenkmäler von Niederbayern
XIII Bezirksamt Landau a.I.
bearbeitet von Anton Eckardt
mit einer historischen Einleitung von Alois Mitterwieser
mit zeichnerischen Aufnahmen von Kurt Müllerklein
mit 10 Tafeln, 155 Abbildungen im Text und einer Karte
Unveränderter Nachdruck der Ausgabe München 1926
R. Oldenbourg Verlag München Wien 1982
Passagen aus dem Kapitel „Eichendorf“ (Seiten 30 bis 36)

Verein „Die Förderer“ des Altlandkreises Landau a.d. Isar e.V. mit dem Sitz in 94405 Landau a.d.Isar
Hermann Krimmer
Wege zur Kunst in und um Landau
Vom Ganackersberger Mandl bis zur Brückenlibelle

An der unteren Isar und Vils V
Passagen aus dem Kapitel „Im Vilstal um Eichendorf“ (Seiten 98 bis 100) sowie Seiten 89 ff. und 91

Verein „Die Förderer“ des Altlandkreises Landau a.d. Isar e.V. mit dem Sitz in 94405 Landau a.d.Isar
Historische Heimatblätter
An der unteren Isar und Vils

Dr. Christian Bachner
Joseph von Eichendorff aus Eichendorf
oder: Ein Taugenichts aus Niederbayern
Seiten 43 bis 58
Jahrgang 2003

Dr. Waldemar Hadulla und Katholische Pfarrkirchenstiftung Eichendorf
Artikel „Die Pfarrkirche – die Mitte des Glaubenslebens -„, der in dem von der Pfarrkirchenstiftung Eichendorf, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat Eichendorf, herausgegebenen Buch
100 Jahre Pfarrei Eichendorf
Festschrift herausgegeben im Jubiläumsjahr 1996 vom Pfarramt Eichendorf

Joseph Michael Neustifter
Abbildung eines Medaillons des Martinsleuchters/der Martinsstele

Philipp Reclam jun. Stuttgart
Sulpicius Severus
Vita sancti Martini
Das Leben des heiligen Martin

Lateinisch/Deutsch
Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Gerlinde Huber-Rebenich
ISBN: 978-3-15-018780-7
Passagen aus den deutschsprachigen Seiten 13, 15, 17, 19 und 21

Paul Streifeneder
forum Eichendorf
Die Marktgemeinde Eichendorf in Geschichte und Gegenwart
Band 2
Topographie

Zeugnisse kirchlichen Lebens – Pfarrkirche St. Martin

Dr. Herbert W. Wurster
Die Geschichte der Pfarrei Dornach und ihrer Tochter Eichendorf
Von den Anfängen bis zur Gründung der Pfarrei Eichendorf

abgedruckt in
100 Jahre Pfarrei Eichendorf
Festschrift herausgegeben im Jubiläumsjahr 1996 vom Pfarramt Eichendorf

St. Benno Buch und Zeitschriften Verlagsgesellschaft mbH, Leipzig
Hermann Multhaupt, Joseph von Eichendorff – ein biografischer Roman:
und die Welt hebt an zu singen / Hermann Multhaupt

© St. Benno Verlag GmbH, Leipzig, www.vivat.de